Sie befinden sich hier: HintergrundHVHS-Studie

Ergebnisse der HVHS-Studie vorgestellt


Dr. Falko von Ameln berichtete zu den Erhebungen des ArtSet-Instituts in niedersächsischen Heimvolkshochschulen

Dr. Falco von Ameln berichtet die Ergebnisse der HVHS Studie

Der Niedersächsische Landesverband der Heimvolkshochschulen hat am 26. April 2013 im Stephansstift ZEB in Hannover Ergebnisse einer Studie über das Lernen in Heimvolkshochschulen vorgestellt. Hauptreferent war der Wissenschaftler Dr. Falko von Ameln vom Institut ArtSet® in Hannover, der die Untersuchung durchgeführt hat.

„‘Heimvolkshochschule - was ist das denn?‘ Diese Frage kennen alle, die in einer niedersächsischen Heimvolkshochschule arbeiten", sagt Wolfgang Borchardt, Vorsitzender des Landesverbandes . Obwohl die 23 Heimvolkshochschulen mit rund 370.000 Teilnehmertagen im Jahr zu den wichtigsten Seminaranbietern im Bundesland gehören, sei die besondere Bildungsarbeit manchmal sogar in erwachsenenpädagogischen Fachkreisen nicht bekannt. Unter anderem deswegen haben wir im Jahr 2011 eine Studie in Auftrag gegeben, die das besondere pädagogische Profil, die Lernprozesse und den gesellschaftliche Nutzen von Heimvolkshochschulen untersucht.

 

18 Monaten lang hatten Dr. Falko von Ameln und ein Team vom Institut „ArtSet® Forschung, Bildung, Beratung" aus Hannover recherchiert. Nun berichtete der Wissenschaftler den erwachsenenbildungs-politischen Sprechern aller Landtagsfraktionen, weiteren BildungspolitikerInnen und einem pädagogischen Fachpublikum im Stephansstift ZEB von seiner Untersuchung.

 

Von Ameln und seine MitarbeiterInnen haben ausführliche Interviews mit HVHS-LeiterInnen durchgeführt, ebenso mit angestellten PädagogInnen und mit externen DozentInnen. Sie haben selbst an Seminaren teilgenommen, und Teilnehmende sowohl online als auch am Telefon befragt.

Besonderes HVHS-Bildungsverständnis

Die HVHS-Studie ist in Erwachsenenbildung und Landespolitik auf großes Interesse gestoßen.
Die HVHS-Studie ist in Erwachsenenbildung und Landespolitik auf großes Interesse gestoßen.

„Niedersächsische Heimvolkshochschulen weisen eine Reihe von Merkmalen auf, die in dieser Konstellation einzigartig sind", resümiert Falko von Ameln. Ganz wesentlich ist für ihn das besondere HVHS-Bildungsverständnis: Es verbinde Allgemein- und Persönlichkeitsbildung im humboldtschen Sinne mit der Sorge für das Gemeinwohl und das demokratische Gemeinwesen, so von Ameln.

Persönlichkeitsbildung und Politische Bildung

Viele Seminare in Heimvolkshochschulen sind auf gesellschaftspolitische Themen ausgerichtet - wie etwa die Qualifizierung für Ehrenämter oder Fortbildungen für MultiplikatorInnen zur Inklusion. Persönliche und politische Bildung gehören für HVHS oft zusammen. „Dieses Verständnis findet sich in so gut wie allen Programmbereichen wieder", weiß von Ameln. Ziel sei dabei vor allem, dass die Teilnehmenden im Verlauf des Seminars eine eigene Haltung herausbilden und Ziel sei es, sie zu stärken, diese Haltung selbstbewusst zu vertreten.

 

Für das Selbstverständnis der HVHS ist das traditionelle Konzept des Lebens und Lernens unter einem Dach zentral. Das hat die Untersuchung deutlich gezeigt. Mehrtägige, manchmal auch mehrwöchige Seminare mit Übernachtung im Bildungshaus bieten ausreichend Zeit und Abstand zum Alltag, um sich mit den angebotenen Themen, aber auch mit den anderen Menschen und Meinungen in der Gruppe zu befassen und die Seminarinhalte für die eigene Person zu reflektieren.

Bildung als sozialer Prozess

Bildung wird in Heimvolkshochschulen als grundlegender sozialer Prozess verstanden. Die Begegnung und der Austausch mit den anderen Teilnehmenden bestimmen nicht nur das eigene Lernen, sondern fungieren auch als Modell für demokratisches Zusammenleben.

 

Entsprechend versteht sich das Arbeit der HVHS nicht nur als Dienstleistung, sondern als Beziehungsangebot. Das zeigt sich auf der persönlichen Ebene in einem engen Bezug zwischen DozentInnen und Teilnehmenden und auf der institutionellen Ebene als Angebot einer Biografie begleitenden Lernpartnerschaft.

Feste Orte für lebensbegleitendes Lernen

Heimvolkshochschulen wollen Orte sein, zu denen die Teilnehmenden in bestimmten Lebensphasen zurückkehren, um sich zu bilden, persönliche Fragen zu reflektieren und Stärkung zu erfahren. Wie die Online-Befragung von 298 Seminarteilnehmenden zeigte, nutzt ein großer Teil der Klientel HVHS tatsächlich in diesem Sinn.

 

Die Online-Befragung hat auch deutlich gemacht, dass es den Heimvolkshochschulen gelingt, den hohen Anspruch der Leiterinnen und Leiter in die Praxis umzusetzen. "Auch wenn man in Rechnung stellt, dass bei der Evaluation von Bildungsveranstaltungen allgemein sehr positive Bewertungen abgegeben werden, sind die hohen Zustimmungswerte der Online-Befragung bemerkenswert und ein eindrucksvolles Zeugnis für das Qualitätsniveau der niedersächsischen HVHS", so der Wissenschaftler.

HVHS in Spannungsfeldern

Von außen gesehen erscheine es für die Zukunft der HVHS wichtig, sich in verschiedenen Spannungsfeldern ausgewogen zu positionieren, meint er. So gebe es die Skepsis der LeiterInnen gegenüber einem funktionalistischen Bildungsverständnis auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber eine wachsende Nachfrage von Bildungsinteressierten nach für die Karriere unmittelbar verwertbarem Wissen. Und dem ausgeprägten Selbstverständnis der Heimvolkshochschulen mit ihrem besonderen Lernsetting vom Leben und Lernen unter einem Dach liefe ein Trend zu immer kürzeren Veranstaltungen entgegen.

 

Heimvolkshochschulen müssen sich außerdem verorten zwischen ihrem innovativen, auf gesellschaftliche Veränderung hin orientierten Anspruch und einer antimodernistischen Traditionsorientierung, findet von Ameln. Und er verweist auf eine Aussage, die Horst Siebert, Professor für Erwachsenenbildung in Hannover, schon 1999 formuliert hat: Auf der einen Seite können Heimvolkshochschulen ein ‚Frühwarnsystem" sein, „das über die Tagesaktualität hinaus auf Zukünftiges hinweist, auf das, was auf uns zukommt und was von uns zu gestalten ist". Auf der anderen Seite aber sei „die Heimvolkshochschule ein Ort auch des Widerstands gegen den Zeitgeist, gegen Konformismus und allzu Neumodisches".


Dr. Falko von Ameln bei der Vorstellung der HVHS Studie

Bilder-Galerie "Tagung zur HVHS-Studie"

Was macht das Lernen in Heimvolkshochschulen aus? Und wie kommt das Angebot bei den Teilnehmenden an? - Am 26. April 2013 haben wir in Hannover die Ergebnisse der Studie über die Arbeit der Heimvolkshochschulen vorgestellt.

Fotos: K. Rehage, Bildbearbeitung und Text: A. Volland