Sie befinden sich hier: Themen aktuellÖkologieUmweltveränderungen und Erwachsenenbildung

Globale Umweltveränderungen und Erwachsenenbildung


Vortrag von Dr. Ulrich Witte (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) bei der Jahrestagung der Heimvolkshochschulen

Dr. Ulrich Witte von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt referiert bei der Jahrestagung 2009 der niedersächsischen Heimvolkshochschulen.
Dr. Ulrich Witte von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt referierte bei der Jahrestagung 2009 der niedersächsischen Heimvolkshochschulen..

Natur- und Klimaschutz sind als dringende Aufgaben unserer und der folgenden Generationen ein wichtiger Bereich der Erwachsenenbildung. Das erläuterte Dr. Ulrich Witte von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in seinem Vortrag bei der Jahrestagung der Heimvolkshochschulen 2009.

Nach Meinung von Dr. Ulrich Witte kann die Erwachsenenbildung auf die globalen Umweltveränderungen nur reagieren, wenn sie auch allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen der Globalisierung als Herausforderung erkennt. Drei Merkmale hält er dabei für besonders interessant:

  • Gegenüber der oft abstrakten Globalisierung gewinnt Heimat, die unmittelbare Umgebung, als Orientierungsraum und Rückzugsgebiet für die Menschen vermehrt an Bedeutung. Zu beobachten ist, dass der Globalisierung weltweit eine Regionalisierung gegenübersteht. Zwischen diesen beiden Prozessen habe sich der Begriff Glokalisierung eingebürgert: Er beschreibt, wie sich globale Entwicklungen im Lokalen auswirken und das alltägliche Leben verändern. Für die Erwachsenenbildung sei dies eine Herausforderung ersten Ranges, meint Witte.
  • Mit der Globalisierung wachse die Distanz der Menschen zu klassischen Strukturen und Organisationen. Viele führen ihr Leben zunehmend "subjektzentriert". Eine Fülle von Lebensstilen und Lebenswelten, sozialen Milieus und Sonderkulturen seien Ausdruck der individualisierten Gesellschaft. Für die Erwachsenenbildung bedeutet dies laut Witte unter anderem: Fragen der Identität werden immer wichtiger.
  • Der Grenzen sprengenden Austausch von Kultur und Kommunikation vollzieht sich durch moderne Informationstechnologien mit einer extremen Geschwindigkeit und in Zeitsprüngen. Im Bereich der Kultur und Kommunikation entwickelt sich eine neue Globalkultur: die "Informationsrevolution" .

Neue Aufgabenfelder für die Erwachsenenbildung

Sich rasch wandelnde Berufsbilder und wachsende Anforderungen an die Flexibilität der ArbeitnehmerInnen, bedeuten neue Qualifikationsbedarfe, denen sich die Erwachsenenbildung stellen muss. Bezogen auf die globalen Umweltveränderungen entsteht laut Witte ein Qualifizierungsbedarf vor allem in der deutschen Umweltindustrie (Energiewirtschaft, Abfall- und Kreislaufwirtschaft) und auch bei den „umweltorientierten Dienstleistungen" (z. B. im Handwerk). Der Umweltschutz ist für die deutsche Wirtschaft ein großes Geschäftsfeld (mit fast 2 Mio. Beschäftigten).

 

Bei den Menschen wächst das Bedürfnis nach aktuellem Hintergrundwissen, das frei zugänglich ist. Bildungseinrichtungen sollten es sich zur Aufgabe machen, zu vermitteln, wie man dieses Wissens erlangen kann, empfiehlt Witte. Speziell entstehe die Aufgabe, an die Kunden die erforderliche Medienkompetenz zu vermitteln: die Fähigkeit, mit den neuen Medien umgehen zu können. Seminarteilnehmer sollten lernen, mediale Lernwelten zu nutzen (e-learning). Gerade in Hinblick auf die Medien habe die Erwachsenenbildung Potenzial, weiß Witte. Es gelte, die eigenen Stärken unter Einbezug der Medien herauszuarbeiten. Globales Umweltlernen über geografische und kulturelle Grenzen habe sich in den letzten Jahren stark entwickelt, die „Umwelt­kommu­ni­kation im Internet" boome.

Lokale Erfahrung mit globalen Phänomenen verknüpfen

"Lebenslanges Lernen" hat eng mit der globalen Arbeitsteilung und der immer kürzeren Halbwertzeit von Wissen zu tun. Der Trend zu qualifizierten Tätigkeiten macht es für den Einzelnen notwendig, über die Schulzeit hinaus lebensbegleitend zu lernen. So gelte es, Potenziale zur Erweiterung und Verbesserung von Lernangeboten für Individuen und einzelne Zielgruppen zu finden.

 

Die Erwachsenenbildung sei gefordert, zielgruppenorientierte Angebote zu globalen Umweltveränderungen zu entwicklen. Ein Ansatzpunkt könnte sein, ausgehend von lokalen Erfahrungen den Blick auf weltweite Umweltphänomene zu richten. "Die Erwachsenenbildung muss prüfen, ob die klassische Ausrichtung auf bestimmte Zielgruppen tatsächlich noch reicht", so Witte. Bezogen auf das Umweltthema hieße dies: Gibt es angesichts von Migration neue Teilnehmer? Wie ist der Zugang von bildungsfernen Schichten mit niedrigschwelligen Angeboten zu verbessern? Welche Angebote lassen sich aus dem Megathema "Energieeffizienz" für Verbraucher entwickeln? Wie kann die Medienkompetenz (beispielsweise) von Senioren erhöht werden, um deren Anschluss an die globalisierte Welt sicherzustellen?

Weltoffenheit als Möglichkeit der eigenen Entwicklung

Umweltbildung mit Jugendlichen in der HVHS in Papenburg
Umweltlernen in Seminaren für Jugendliche. Der HVHS-eigene See in Papenburg bietet sich dafür an.

Zu fragen sei auch: Wie wird die "Glokalisierung" aufgegriffen? Sie ergebe Chancen für die Region: grenzüberschreitendes Denken, interkulturelles Lernen, Weltoffenheit als Möglichkeiten der eigenen Entwicklung. "Nie war es einfacher, weltweit zu kooperieren, mit Bildungspartnern in anderen Kontinenten zu kommunizieren und solidarisch mit Menschen in Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten."

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt habe eine Vielzahl von Projekten vor allem mit Jugendlichen im Bereich des globalen Umweltlernens gefördert, die internetbasiert und regional orientiert auf den direkten Aus­tausch zwischen Lernenden hier und Betroffenen dort zielten - etwa bei der Frage nach der Regenwaldabholzung in latein­amerikanischen Ländern. Für viele Jugend­liche ist das Skypen über Meere und Kontinente hinweg mit globalen Partnern seit Jahren eine Selbstver­ständ­lich­keit.

"Vernetzte Projekte mit Bildungs­häu­sern in anderen Ländern, Videokonferenzen und computerbasierte Interaktion, werden auch in der Erwachsenenbildung bald selbstverständlich sein", so Witte. "Gerade für die politische Bildung ergeben sich hier ungeahnte Möglichkeiten der Kommunikation und Zusammenarbeit."

Zu fragen sei auch: Wie wird die "Glokalisierung" aufgegriffen? Sie ergibt Chancen für die Region, sofern diese nicht als Rückzugsgebiet definiert wird. Das bedeute: grenzüberschreitendes Denken, interkulturelles Lernen, Weltoffenheit als Möglichkeiten der eigenen Entwicklung. "Nie war es einfacher, weltweit zu kooperieren, mit Bildungspartnern in anderen Kontinenten zu kommunizieren und solidarisch mit Menschen in Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten."

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt habe eine Vielzahl von Projekten vor allem mit Jugendlichen im Bereich des globalen Umweltlernens gefördert, die internetbasiert und regional orientiert auf den direkten Aus­tausch zwischen Lernenden hier und Betroffenen dort zielten - etwa bei der Frage nach der Regenwaldabholzung in latein­amerikanischen Ländern. Für viele Jugend­liche ist das Skypen über Meere und Kontinente hinweg mit globalen Partnern seit Jahren eine Selbstver­ständ­lich­keit.

"Vernetzte Projekte mit Bildungs­häu­sern in anderen Ländern, Videokonferenzen und computerbasierte Interaktion, werden auch in der Erwachsenenbildung bald selbstverständlich sein", so Witte. "Gerade für die politische Bildung ergeben sich hier ungeahnte Möglichkeiten der Kommunikation und Zusammenarbeit."

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Für die Bildungsarbeit generell gebe es ein Konzept, das all diese Entwicklungen und Herausforderungen zusammenbringe, genannt "Bildung für nach­hal­tige Entwicklung" (BNE). Dieser Aufgabenbereich habe sich aus der "Agenda 21" (Rio-Konferenz von 1992) herauskristallisiert. Im Kapitel 36 heißt es, dass ohne mentalen Wandel, ohne eine weltweite Bildungsinitiative eine nachhaltige Entwicklung nicht umgesetzt werden kann. Vor diesem Hintergrund haben die Vereinten Nationen 2002 die Weltdekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" von 2005 - 2014 ausgerufen.


Die klassische Umweltbildung sei früher gern von einem Bedrohungsszenario ausgegangen, einer dro­hen­den Apokalyse, erinnerte Witte. Und die entwicklungspolitische Bildung habe in ihrem Engagement gegen Ausbeutung, Armut und Unterdrückung vielfach auf ein Elendsszenario abgehoben, das ebenso hilflos machte. Dagegen setze Bildung für nachhaltige Entwicklung auf lösungsorientierte Ansätze bzw. Modernisierungsszenarien.

 

Es gehe dabei um Lösungen, die eine ökonomische Perspektive mit dem Schutz von Natur und Umwelt verbinden. Es gehe um das Wissen über innovative ressourcenarme Techniken und um neue Formen politischer Beteiligung, bei der das Engagement der Bürger wichtig sei. Es gehe um die Suche nach neuen Lebensstilen wie um das Verständnis für die Sichtweisen von Menschen aus fremden Ländern.

Als Einrichtung glaubwürdig sein

Wie also sollen sich Erwachsenenbildung bzw. die einzelnen Bildungseinrichtungen ausrichten? Hier sei nicht nur das Lernen der Individuen wichtig, sondern auch das Lernen der Organisation selbst, meint Witte. Eine Einrichtung der Erwachsenenbildung, die sich den Fragen des Klimawandels und der globalen Umweltveränderungen stellen wolle, müsse glaubwürdig auftreten und Vorbildcharakter haben. Das sei nicht der Fall, wenn zum Beispiel das Gebäude eine Energieschleuder sei oder die Mitarbeiter "lebenslanges Lernen" für alle proklamieren, außer für sich selbst.

 

Wegen ihres Querschnittcharakters seien besonders geeignete Themenfelder für Erwachsenen-"Bildung für nachhaltige Entwicklung":

  • Konsum (Fairer Handel, Menschenrechte, Lebens­stile...)
  • Ressourcen sparen (Energieeffizientes Bauen, Mobilität und Verkehr...)
  • Ernährung ("Bioenergie versus Nahrungsmittel", Gesundes Leben, Erhalt von biologischer Vielfalt...)
  • Generationengerechtigkeit (Freiwilligenarbeit, soziale Sicherungssysteme, Klimaverantwortung...).
  • Klimawandel und Klimaschutz (Globale Gerechtig­keit, Umgang mit den Folgen des Klimawandels...)

"Für die klassische Umweltbildung war Bildung nie Selbstzweck", schloss Witte. "Umweltbildung war immer auf die Veränderung von Verhalten angelegt, um so Verhältnisse zu ändern."